{"id":7,"date":"2008-02-28T12:44:14","date_gmt":"2008-02-28T11:44:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zwei-meinungen.de\/?p=7"},"modified":"2008-03-07T10:41:42","modified_gmt":"2008-03-07T09:41:42","slug":"zwischen-karlsruhe-und-studivz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/?p=7","title":{"rendered":"Zwischen Karlsruhe und StudiVZ"},"content":{"rendered":"<p> W\u00e4hrend das Bundesverfassungsgericht gerade mit dem \u201eGrundrecht auf Gew\u00e4hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit\u00e4t informationstechnischer Systeme\u201c eine L\u00fccke beim Schutz privater Daten vor beh\u00f6rdlicher \u00dcberwachung schloss, sprie\u00dfen am anderen Ende des Internets Plattformen zur weltweiten Selbstdarstellung wie Pilze aus dem Boden.<\/p>\n<p><!--more-->Das Urteil aus Karlsruhe (<a href=\"http:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/entscheidungen\/rs20080227_1bvr037007.html\" title=\"Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>) ist ein Meilenstein bei der Anpassung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Grundrechte des Einzelnen an die technisierte Gegenwart. Das Gericht kam, sah und schloss die vermeintliche Schutzl\u00fccke zwischen der Garantie der Unverletzlichkeit der Wohnung und dem Schutz des Fernmeldegeheimnisses. Online-Durchsuchungen nach den Ma\u00dfgaben des Landesverfassungsschutzgesetzes aus Nordrhein-Westfalen sind somit verfassungswidrig. Nur unter den strengen Auflagen eines zweistufigen Sicherheitskonzepts zum Schutze des Bereichs der privaten Lebensgestaltung sollen Online-Durchsuchungen zuk\u00fcnftig noch erlaubt sein (<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/,tt7m3\/deutschland\/artikel\/33\/160594\/\" title=\"www.sueddeutsche.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>). Dazu bedarf es allerdings \u201eexistenzieller Bedrohungslagen\u201c (<a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/nachrichten\/nachrichten\/politik\/2008\/2\/27\/news-26742932\/detail.html\" title=\"www.derwesten.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>). Ob zur Pr\u00e4vention oder im Zuge der Strafverfolgung Computer ausgesp\u00e4ht werden d\u00fcrfen entscheidet nun aber im Einzelfall ein Richter. Als Begr\u00fcndung f\u00fchrte das Gericht die heutige Bedeutung des Computers als Mittel zur Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung auf (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2008\/10\/01-Bundesverfassungsgericht?page=1\" title=\"www.zeit.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>).<\/p>\n<p>Die Daten auf heimischen Rechnern sind ohne richterlichen Beschluss vern\u00fcnftigerweise also kein Freiwild f\u00fcr Ermittlungsbeh\u00f6rden und Datensch\u00fctzer k\u00f6nnen des Nachts zumindest wieder ein Auge zutun. Kein Gesetz verbietet es dagegen der Polizei die \u00f6ffentlichen Bereiche des Internets zu durchleuchten. Aus Unwissen, Ignoranz oder der naiven Vorstellung von Anonymit\u00e4t in den Weiten des Netzes gebenviele Menschen zu viel von sich preis, so dass der milchgl\u00e4serne User bereits heute Realit\u00e4t ist. Und das Glas kl\u00e4rt zunehmend auf.<\/p>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Gr\u00fcnde und Gefahren liegt dabei in den immer mehr in Mode kommenden sozialen Netzwerken im Internet. Nach Sch\u00fclerVZ und StudiVZ geht die Holtzbrinck-Gruppe mit meinVZ auf alle diejenigen los, die sich bei ihrer Pers\u00f6nlichkeitsdarstellung im Netz bisher benachteiligt f\u00fchlen konnten. Insgesamt hofft man auf 14 Millionen Mitglieder in Deutschland bis zum Jahresende (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/webwelt\/article1732799\/Was_der_juengste_StudiVZ-Ableger_bringen_soll.html\" title=\"www.welt.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>). Facebook (bisher vorwiegend in den USA von Bedeutung) plant eine \u00dcbersetzung f\u00fcr die deutsche Kundschaft. Dazu MySpace, Xing und unz\u00e4hlige kleinere \u2013 oft themengebundene \u2013 Ableger. Wer jetzt noch kein Profil von sich im Internet zur Verf\u00fcgung stellt ist ein zur\u00fcckgebliebener Einsiedler, ein Niemand in der stetig zusammenwachsenden Welt der Online-Bekanntschaften.<\/p>\n<blockquote><p><em>Wer heute mit Freunden, Mitsch\u00fclern und Studenten Kontakt aufnimmt, tut dies nicht mehr per elektronischer Post. Man hinterl\u00e4sst eine Art Graffiti an der Hauswand. Und die steht nicht in Hamburg oder Berlin, sondern bei MySpace oder StudiVZ im Internet. (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/webwelt\/article1732799\/Was_der_juengste_StudiVZ-Ableger_bringen_soll.html\" ref=\"http:\/\/www.welt.de\/webwelt\/article1732799\/Was_der_juengste_StudiVZ-Ableger_bringen_soll.html\" title=\"www.welt.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Andy Warhol sagte, die \u00c4sthetik unserer Tage hie\u00dfe Erfolg. Dieser l\u00e4sst sich tats\u00e4chlich auf vielf\u00e4ltige Weise erringen: Ein Profil im Internet inklusive Fotos vom letzten durchzechten Wochenende ist cool. Eine Online-Pinnwand mit hunderten von Nachrichten von Online-Freunden zeugt von der eigenen Online-Wichtigkeit. Und das wichtigste \u2013 all das ist kostenlos!<\/p>\n<p>Doch ist es das wirklich? Vielen scheint nicht bewusst zu sein, dass sie damit den letzten Rest von Privatsph\u00e4re aufgeben, den ihnen die Richter in Karlsruhe gerade erst zugesichert haben. Namen, Fotos, Beziehungen untereinander, Unterhaltungen auf elektronischen Pinnw\u00e4nden statt per Chat oder Mail \u2013 all dies sind Informationen, die jedem frei zug\u00e4nglich sind. Und das kann ein potentieller Arbeitgeber sein oder die Polizei. So erreichen die Verantwortlichen von StudiVZ laut WELT ONLINE w\u00f6chentlich rund zehn Anfragen der Gesetzesh\u00fcter zur Herausgabe von registrierten Klarnamen (<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/webwelt\/article1731338\/StudiVZ_gibt_Nutzerdaten_an_die_Polizei_heraus.html\" title=\"www.welt.de\" target=\"_blank\">Quelle<\/a>).<\/p>\n<p>Wer heutzutage noch immer nicht verstanden hat, dass die eigene elektronische Pers\u00f6nlichkeit ebenso sch\u00fctzenswert ist wie die reale, ist im g\u00fcnstigsten Falle mit naiv zu umschreiben und kann auch bedenkenlos die PIN auf seiner EC-Karte festhalten. Das Karlsruher Urteil sch\u00fctzt n\u00e4mlich nicht vor den Auswirkungen eines unverantwortlichen Umgangs mit den eigenen pers\u00f6nlichen Daten.<\/p>\n<p>Ironischerweise ist es die konservative \u201eich-brauch\u2018-das-alles-nicht\u201c-Elterngeneration, die mit ihrem skeptischen Blick auf alles, was j\u00fcnger als ihre Kinder ist, nie auf die Idee k\u00e4me, ein Online-Profil von sich zu erstellen oder sonstig Privates in Netz zu stellen. Wozu auch \u2013 man hat doch ein Adressb\u00fcchlein wo alle Freunde und Bekannten eingetragen sind. Zusammen mit Telefonnummern, von denen nur die H\u00e4lfte noch stimmt. Sogar die Karin, mit der man sich 1979 verkracht hat, ist \u2013 zwar kr\u00e4ftigen Stiftes durchgestrichen, aber immerhin \u2013 noch darin zu finden. Was die wohl heute so macht? Ob die immer noch mit dem Dieter zusammen ist? Der war ja so ein unangenehmer Mensch. W\u00fcnschen w\u00fcrde ich ihr das ja. Vielleicht\u2026 mmh\u2026 ich glaube zwar nicht, aber probieren k\u00f6nnte man es ja mal\u2026. Sohn? Es gibt doch dieses Dings im Internet, wo man Leute finden kann. Kannst du mir da nicht bitte mal kurz helfen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend das Bundesverfassungsgericht gerade mit dem \u201eGrundrecht auf Gew\u00e4hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit\u00e4t informationstechnischer Systeme\u201c eine L\u00fccke beim Schutz privater Daten vor beh\u00f6rdlicher \u00dcberwachung schloss, sprie\u00dfen am anderen Ende des Internets Plattformen zur weltweiten Selbstdarstellung wie Pilze aus dem Boden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zwei-meinungen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}